Einmaleins Zelte: Einwandig vs. Doppelwandig

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Gastbeitrag von MSR Zeltentwickler Terry Breaux

Was macht den Unterschied zwischen einem einwandigen und einem doppelwandigen Zelt aus? Wieso gibt es diese beiden Konstruktionsformen? Wozu eignen sie sich jeweils am besten?

Hier gibt’s die Antworten:

Einwandige Zelte

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Ein einwandiges Zelt ist genau das, was sein Name besagt: Ein Zelt mit einer einzigen Außenwand. Traditionellerweise benutzte man für einwandige Zelte robuste, wasserdichte und atmungsaktive Materialien. Sie kamen ursprünglich fast ausschließlich als Bergsteigerzelte zum Einsatz.

Um ultraleichte Zelte für alle Gelegenheiten und Nutzer zu ermöglichen, benutzen manche Zelthersteller mittlerweile beschichtete, nicht-atmungsaktive Materialien bei einwandigen Wander-Modellen.

Doppelwandige Zelte

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Wieder recht offensichtlich und selbsterklärend: Ein doppelwandiges Zelt ist ein Zelt mit zwei Wänden – normalerweise sind das das Innenzelt und das Überzelt. Mit der Weiterentwicklung von Zelten aus Baumwolle zu Zelten aus Nylon-Ripstop-Materialien begannen die Zeltentwickler zwei Schichten aus unterschiedlichen Materialien einzusetzen, um die Zelte einerseits wasserdicht zu machen und andererseits atmungsaktiv. Das Überzelt ist zu 100 Prozent wasserdicht, aber nicht atmungsaktiv. Beim Innenzelt ist es genau umgekehrt. Die Lösung liegt also in der Kombination beider Schichten.

Vorteile und Nachteile von einwandigen Zelten

Normalerweise kauft man ein einwandiges Zelt wegen des einfachen Aufbaus und des, im Vergleich zum gleichgroßen doppelwandigen Zelt, geringeren Gewichts. Das einfache und schnelle Aufbauen wird besonders wichtig, wenn man sich in einem Schneesturm befindet und nur wenig Zeit hat oder man sich erst eine Stufe in den Berg graben muss. Der Preis des einfachen Aufbauens und des geringen Gewichts ist eine erhöhte Kondensation im Zeltinneren und weniger Raum für die Ausrüstung.

Vorteile und Nachteile von doppelwandigen Zelten

Mit einem doppelwandigen Zelt hat man nahezu immer ein trockenes Innenzelt und mehr Platz für die Ausrüstung – unter Garantie. Doppelwandige Zelte haben meistens mehrere Eingänge und Apsiden, in denen die Ausrüstung trocken bleibt. Sie sind also größer und bieten höheren Komfort. Der große Nachteil ist das größere Gewicht gegenüber einwandigen Zelten derselben Größe und desselben Einsatzbereichs.

Es ist aufwendiger doppelwandige Zelte aufzubauen und sicher zu fixieren. Neben dem Zeltkörper muss auch das Überzelt mit den Apsiden sicher festgemacht werden. Die Spannung auf dem Überzelt muss gegebenenfalls nach dem Aufbau neu justiert werden. Die Materialien des Überzelts – in erster Linie Nylon – neigen dazu sich auszudehnen, wenn sie klamm und nass werden, so dass auch hier gegebenenfalls neu justiert werden muss.

Wann kommt welches Zelt zum Einsatz?

Einwandige Zelte eignen sich am besten in alpiner Umgebung, die normalerweise kalt und trocken ist. Doppelwandige Zelte sind die richtige Wahl, wenn man in regnerischen und feuchten Gefilden unterwegs ist, und wenn man auf einen relativ großen Stauraum für die Ausrüstung angewiesen ist.

Tipps und Tricks für die Praxis    

Lüften ist in einwandigen Zelten ein Muss, um die Kondensation in den Griff zu kriegen. In alpiner Umgebung erfolgt die Belüftung meistens auf Kosten der Wärme im Zeltinneren. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden.

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Bei doppelwandigen Zelten muss man darauf achten, dass die Zelte eine gute Spannung aufweisen und faltenfrei aufgebaut sind. So wird sichergestellt, dass die Zeltstangen in der richtigen Position sind, und dass das Überzelt das Zelt nicht berührt. Auf den Einsatz von Zeltschnüren sollte man in keinem Fall verzichten. Wenn man sie erst spannt, wenn man sie braucht, ist es meistens schon zu spät.

Terry HeadshotTerry Breaux entwickelt seit 1989 Zelte und ist seit 9 Jahren bei MSR. Seit er als Kind das erste Mal im Garten in einem Zelt unter freiem Himmel geschlafen hat, ist er am liebsten draußen unterwegs. Seitdem hat er unzählige Male draußen übernachtet. Er hat mit dem Fahrrad Europa und Asien bereist, wo er unter anderem in Pakistan und der Mongolei war – unbezahlbare Erinnerungen. Als Tüftler par Excellence legte Terry eine zweijährige Collegepause ein, um für die legendäre Zeltfirma „Moss Tents“ zu arbeiten, bei der er auch nach dem Collegeabschluss wieder einstieg. Er bringt die Kreativität und den Erfindergeist, sowie die Erfahrung mit, die hinter der MSR High Performance Linie steckt. Terry ist immer noch oft und lange mit dem Bike unterwegs und testet und sucht unermüdlich nach Verbesserungsmöglichkeiten und neuen Ideen.